Zurückgeblickt: Ein Grillcamp in Hamburg 2013

Schon letztes Jahr wurde ich relativ schnell davon in Kenntnis gesetzt, dass es ein Barcamp ausschließlich für das Thema Grillen ausgerichtet werden soll.

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Leider konnte ich da nicht. Aber dieses Jahr war ich relativ zügig beim Ticketkauf. Also machten wir uns am Freitag zu zweit auf den Weg nach Hamburg.

Zunächst zur Warmup-Party im blauen Barhaus, wo man sich beim Thema Grillen und ein, zwei… drei wirklich guten Cocktails die nötige Bettschwere für die angehende Nacht besorgt hatte.

Pünktlich gegen irgendwas um 9 Uhr ;-) betraten wir die Starküche Hamburg, baten unsere Hilfe an und bestaunten den zur Verfügung gestellten und selbstgebauten Smoker, der im Hof schon mal angeheizt wurde. Ziehmlich beeindruckend! Bei Frauen würde man sagen: „Die Milch schoß ein“ ;-)

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Nachdem man sich ein wenig verloren vorkam, versuchten wir sowas ähnliches wie eine Sessionplanung. Dabei gab es auch tatsächlich ein Timetamble mit Barcamp-mässigen Zetteln, allerdings hielt sich keiner so richtig daran.

Mir ist bis heute völlig unklar, wer jetzt eigentlich Kugelgrill 1 gewesen sein soll und wo Küchenarbeitsplatz 3 gewesen wäre.

Das sorgte einerseits für eine ziemliches Durcheinander, da schließlich alle heiß waren endlich Hand anzulegen, aber es herrschte, durch das Chaos geprägt, eine ziehmlich lockere Stimmung.

Manche Teilnehmer brachten für einen Wurstwettbewerb lokale Wurstspzialitäten mit, die gemeinsam probiert und getestet wurden. Mangels besserer Idee brachten wir vom amtlichen Lokalen Bio Fleisch Dealer  Scharun die Grillwurst mit. Die sich leider nicht besonders auszeichnete und im Wettbewerb mangels Spezialität leider völlig unterging.

Da ich mich in letzter Zeit ein wenig mit BBQ-Saucen beschäftigt habe, rührte ich einen Topf damit an. Ohne wirklich abgeschmeckt zu haben, gab es die ersten Löffel aus meinem Topf. „Alfred Biolek-esk“ gab es die ersten „hmm ohh ja hmmm“, gefolgt von „ein bisschen wie Brühe“.

Moment, wie Brühe?

Ich probierte das Sößchen und griff zum Zuckerpott, der Salz war. Ziemlich fies. Aber die Feinschmecker um mich herum, waren ziemlich gut erzogen ;-)

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Im zweiten Versuch ging dann alles gut, leider war die Menge ein bisschen überproportioniert und ich hätte mich gern über das Thema Sößchen ausgetauscht, aber so richtig Schwung nahm die Sache leider nicht auf, so dass mein Pöttchen ein wenig lieblos in der Gegend rumstand.

Backlinke die von Herzen kommen.

Dafür konnte mir und den Umstehenden Björn vom Pepperworld Hot Shop höchst galant ein paar Produkte aus seinem Sortiment zur Verfügung stellen.

Zunächst sein Chilli basierter Senf, bei dem mir im Grunde wenige Mikroliter ausreichend um mir die Spucke wegzuätzend. Ich mag zwar scharf, aber leider bin ich anatomisch nicht für übermässigen Genuss optimiert worden.

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Außerdem gab es Jalapenos Chips und reichlich „Feuer Streuer“, die Marke des Pepperworld Shops, wenn es um Rubs (trockene Marinaden ) geht. Netter Kontakt, topp eBayer, ein Backlink der von Herzen kommt:

www.pepperworldhotshop.com

Ein anderer geht an Claas von Beisser Hamburg und den Steakfreunden, der uns in einer kleinen Theorie-Session etwas über gutes Fleisch erzählte und dabei „Dry Aged“ T-Bone Steaks mitbrachte, die man sich zwar teilen musste ;) aber dennoch einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterließen. Auf dem Einkaufszettel für gutes Grillen ganz weit oben.

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Foto von etobi.de auf Flickr, vielen Dank!

Dry Aged ist ein Verfahren bei dem das Rindfleisch nach der Schlachtung nicht Vakuum gereift wird – also wet aged, sondern an der Luft, ohne weiteres zu tun. Es war zart, leicht nussig, ein einmaliger Geschmack. Fabelhaft. Ich bin Fan. Das Wasser läuft beim Gedanken daran im Munde zusammen.

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Neben dem war mein Highlight des Tages auf jeden FAll noch die selbstgemachte Kräuterbutter mit Zitrone, die sehr frisch daher kam und von mir unbedingt nachgebaut werden möchte.

Am Sonntag…

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…fingen wir den Tag mit Burger an. Ebenfalls mit Fleisch von Beisser. Lelei aus Essen, der mit seinem Schwiegervater da war, erzählte mir ein wenig über seine Burgererfahrung und dass er die Patties zunächst immer erst anfrostet und das Hackfleisch auf keinen Fall mit einer Maschine verknete, um die grobe Konsistenz beizubehalten. Das Anfrosten soll dafür sorgen, dass die runde Form beibehalten werden kann. Für mich neue Informationen, die ich bisher so noch nicht kannte.

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Von Class gab es dann die zweite phänomenale Leckerei. Nämlich Secreto Iberico. Das Stück, welches wir auf den Grill legten, ist eigentlich ein „Abfallprodukt“ aus der Ibercio Schinken Produktion.

Ein fein marmoriertes Stück Fleisch, dass eigentlich ein bisschen zu fettig ist. Aber gegrillt und mit Salz gewürzt ein unfassbarer Genuss.

Bei solchen Spezialitäten fällt es fast ein bisschen schwer sich an so „normale Gerichte“ wie Lammkarree ;-) zu erinnern. Irgendwann Sonntag setze dann auch die absolute Reizüberflutung ein und man war eigentlich ziehmlich am Ende seiner Aufnahmefähigkeit. Einmal was die Lebensmittel anging, aber es setzte auch ein maximaler Information Buffer Overflow ein. Der Arbeitsspeicher war rand gefüllt und das war gut so!

Das ganze Wochenende war geprägt von guten Gerichten. Manches ist daneben gegangen, aber vieles war eine tolle Erfahrung.

Vom Smoker gab es Rips. Was die Nachbarn leider nicht so gut fanden und wir uns das Sonntag lieber gespart haben. Schichtfleisch aus dem Dutchoven. Ebenso Kuchen. Einen Metzger, dem ich erklärt habe, dass Pulled Pro über 90 Grad haben muss und der das zunächst nicht glauben konnte, mir dafür aber auf einer Serviette eklärte, wie ein „Cut“ bei deutschen Sparribs aussieht und das Amerikaner ein Tier völlig anders zerlegen. Tolle Situation. Leider das Foto vergessen.

Übrigens wurde das Pulled Pork von uns im Suvid-Garer vorgegart, welches wir auf 60 Grad eine Nacht lang vorglühten, in der Hoffnung, man würde dadurch eine schnellere Kerntemperatur von 90-95 Grad erlangen. Ein überraschenderweise völlig fehlgeleitender Gedanke. Die Garzeit auf dem Grill hat das nämlich überhaupt nicht beeinflusst und dauerte genauso lange, als hätte man bei normaler Kerntemperatur angefangen. Nächstes Jahr machen wir das mal richtig!

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Da Barcamps ja ursprünglich aus der IT-Ecke kommen, war das ganze natürlich auch sehr Nerd geprägt, aber es war sehr schön, dass man sich diesmal nicht über seine Fähigkeiten am Rechner definierte, sondern einem gemeinsamem Hobby fröhnte.

Ein kleiner Wehmutstropfen ist, dass man nicht alles probieren konnte. Oder sich wie ein Wolfsrudel um eben fertig gegarte Sachen positionierten musste, um nicht ein Nachsehen zu haben. Vielleicht gibt es eine Methodik, die es ermöglicht, alle alles probieren zu lassen, ohne das einige das Nachsehen haben, weil sie leider nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. So habe ich leider die selbst gemachte(!) Wurst verpasst.

Darüber nachzudenken würde sich, glaube ich, lohnen. Allerdings fand ich das Grillcamp auch so schon gelungen und möchte im nächsten Jahr definitiv wieder dabei sein.

Aber ein bisschen weniger Chaos und mehr Struktur würde der Sache auch gut tun. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob das ganze überhaupt möglich ist. Kleiner Wehmutstropfen. Sicher nicht entscheidend.

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Vielen Dank an Volker Graubraum, der das ganze organisiert hat und wer weiß, was für ein Rattenschwanz an Aufwand dahinter steckt, der kann nur öffentlich den Hut ziehen. Auch an die Sponsoren, wie Milram und Grillbilly, welchen einen Heißluftföhn mit Spezialspitze als Grillanzünd-Apparat auf den Markt gebracht haben: www.steinel.de/de/Heissluftgeblaese/Uebersicht-Heissluftgeraete/GRILLY-BILLY-Grillanzuender.html

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Mit einem latenten Völlegefühl fuhren wir gut durchgeräuchert in Hamburg-Altona ab. Nicht ohne vorher am Bahnhof eine gutes Fläschken Pennerglück zu uns zu nehmen, ehe wir gut durchräuchert den fremden Mitreisenden ein wenig die Fahrt bei geöffnetem Fenster versüßten ;-)

 

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